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Brigantia in unbekannten Gewässern - Noch sind Plätze frei

Im Frühjahr 2017 segelt die Brigantia aus der Karibik die Ostküste der USA nordwärts und segelt – nicht wie üblich via Atlantik – über den St. Lawrence Golf in die Großen Seen, das größte Süßwasserrevier der Welt.

Die GfS wird ihrem Ruf gerecht und bietet mit dem Große-Seen- (Great Lakes)-Programm – zumindest für uns Segler aus der Alten Welt – Neuland. Denn die klassischen Atlantikrouten verlaufen nördlich New York und verlassen den amerikanischen Kontinent nach Osten über Grönland oder den Atlantik im Uhrzeigersinn. Die Great Lakes werden von Europäern üblicherweise „links" liegen gelassen.

Great Lakes Törn

Geografie und Klima

Während die BRIGANTIA auf ihrer letzten Atlantikrunde 2014/2015 über Halifax, Neuschottland weiter nach Norden bis nach Grönland vorgestoßen ist, begibt sich die GfS in Richtung Neuland. Zumindest für Segler aus der alten Welt ist das riesige Süßwasserrevier hinter dem St. Lawrence Strom terra incognita. Die eingefahrenen Routen der Atlantiksegler verlaufen nach Norden in Richtung Grönland bzw. setzen gleich zum Sprung über den Atlantik nach Osten an.

Die Great Lakes sind Teil des 3.700 km langen St. Lawrence Seaway, der den Westen der USA und Kanadas mit dem Atlantik verbindet. Die 5 Seen Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Laker Superior weisen unterschiedliche Höhenlagen auf und sind über Stromschnellen bzw. Wasserfälle miteinander verbunden. Im Jahre 1959 wurde die längste Tiefwasser-Binnenwasserstraße fertiggestellt. Sie dient dem Transport von Stahl, Kohle und Weizen aus dem industriellen Mittelwesten und den Kornfeldern Kanadas an die Ostküste bzw. nach Übersee.

Die großen Seen weisen ein kontinentales Klimaprofil auf. Warmen Sommern folgen kalte subarktische Winter, in denen die Schifffahrt 3 Monate wegen Eis ruht. Im Sommer herrschen gemäßigte Winde aus westlichen Richtungen vor, wobei heftige Stürme nicht ausgeschlossen sind.

Lange Diskussionen

Der Entscheidung für das Große-Seen-Programm gingen zwei Jahre intensive Diskussionen unter Skippern, Bootsleuten und Vorstand voraus, da entgegen dem gewohnten Fahrtenprogramm der GfS eine Überwinterung in Kanada erforderlich wird. Die endgültige Entscheidung für das ambitionierte Programm fiel mit großer Mehrheit der Skipper auf der Jahreshauptversammlung 2015 in Lindau. Die Skipper für das 2017er Programm wurden im April 2016 benannt.

Kai Thräne startet die Great Lakes Tour von Halifax aus, biegt dann „links" ab nach Westen in die Cabot Straße und anschließend an den Nordeingang des extrem fischreichen St Lawrence Golfs. In dem francophonen Sept Iles übergibt er das Steuer an Gudrun Heute-Bluhm, die über Quebec nach Montreal stromaufwärts segelt. Eine überbordende Natur mit Walen und vielen weiteren Meeressäugern ist dank des nährstoffreichen Wasser garantiert. Quebec, die größte französischsprachige Stadt außerhalb Frankreichs versprüht einen einzigartigen kolonialen Charme.

Niagara Falls

(Bild Niagarafälle, Quelle: Helen Filatova)

Montreal und Toronto am Lake Ontario

In Montreal, Kanadas lebendigster Metropole, müssen die Stromschellen des St.Lawrence River mit 4 riesigen Schleusen überwunden werden. Hier übernimmt Roland Schlor das Ruder und nach weiteren 80 sm Kanal schwimmt die BRIGANTIA zum ersten Mal auf einem der großen Seen, dem Lake Ontario. An dessen Ostende liegt Toronto, größte Stadt Kanadas, deren Wahrzeichen der CN-Tower immer noch das höchste Gebäude Nordamerikas ist.

Toronto Skyline

(Bild Toronto, Quelle: Wikipedia)

Von den Niagara Fällen durch den Lake Erie nach Detroit

In Toronto übernimmt Felix Höhener die Aufgabe, die weltberühmten Niagarafälle zu überwinden, was natürlich über den 30 sm langen Welland Canal mit acht gigantischen Schleusen problemlos möglich ist. Der anschließende Lake Erie zählt auf der Nordseite mit seinen kleinen Häfen und der hügeligen Landschaft zu den beschaulichsten Landschaften der kanadischen Provinz Ontario. Ganz anders der eher industriell geprägte Süden mit der Industriestadt Cleveland. Am Ausgang des Erie Sees schlägt immer noch das Herz von Amerikas Autoindustrie: Detroit, bekannt auch durch den Motown Sound, erholt sich langsam von ihrem wirtschaftlichen Niedergang und versprüht Aufbruchsstimmung. Für uns Segler bietet sich die perfekte Infrastruktur des auf der privaten Belle Isle gelegenen Detroit-Yacht-Club an, der zum Größten seiner Art in Nordamerika zählt.

Flowerpot Island - Flowerpots

(Bild Flower Rocks, Quelle: Wikipedia)

Lake Huron – Wasserwandern in der Georgian Bay von Detroit nach Sault St. Marie

Michael Oexemann skippert von Detroit in Richtung Norden und durchsegelt den Lake Huron, der mit dem Naturschutzgebiet Georgian Bay tausende von kleinen Inselchen mit schönen Stränden aufweist und an die schwedischen Schären erinnert. Berühmt sind die „flowerpot" rock outcrops, Felsen in der Form von Steinskulpturen auf der Bruce Peninsula. Der Törn endet in dem an der Grenze von Kanada und USA liegenden historischen Städtchen Sault Ste. Marie, das schon zu Zeiten des Pelztierhandels im 17. Jahrhundert gegründet wurde. Der Name Sault steht für das französiche Wort Stromschnellen, die heutzutage durch vier riesige Schleusen zum Lake Superior überwunden werden.

Locks Sault Ste. Marie

(Bild Sault Ste. Marie, Quelle: US Army Corps)

Superior – der unberührte Westen

Hans-Roland Becker segelt als erster unserer Skipper auf dem Lake Superior, dem mit 82.000 km² größten und unberührtesten aller fünf Seen. Allein der Bodensee würde 130 Mal in diesen hineinpassen! In Thunder Bay gilt es eine im Jahre 1679 von Franzosen gegründeten Handelsniederlassung zu entdecken, die als Umschlaghafen für Kanadas Getreide steht. Der Lake Superior bietet an seiner Nordseite unberührte Natur mit Bären, Lachsen und Elchen. Naturschutzgebiete wie die Isle Royale runden das imposante Landschaftsbild ab. Den Rücktörn von Duluth nach Sault Ste Marie übernimmt Harald Weyrich.

In Sault Ste Marie übernimmt Peter Peitz das Kommando. Südwärts geht der Kurs über den Lake Michigan und endet in der drittrößten Stadt der USA, Chicago. Die im Volksmund „the Wind City" genannte Metropole glänzt mit einer einmaligen Silhouette von Wolkenkratzern und dem 443 m hohen Willis Tower. Das als Geburtsort der Skyscraper geltende Chicago ist nicht nur als „Wirkungsstätte" von Al Capone zu Zeiten der Prohibition, sondern auch als Musikstadt (Blues, Symphonic Orchestra etc.) weltberühmt. Alljährlich findet im Juli das 360 nm lange Chicago-Mackinac Race, die älteste Süßwassersegelregatta der Welt, statt.

Chicago Skyline

(Bild Chicago Skyline, Quelle: Richard Seaman)

Die Rückreise nach Detroit übernimmt Rüdiger Lambert und die letzte Etappe nach Toronto segelt Wolfgang Maurer.

Liebe GfSler, wie Ihr seht, ein nicht alltägliches Segelrevier erwartet euch. Daher mein Tipp, meldet euch sofort zu diesem einmaligen Segelerlebnis an, zumal in 2018 die BRIGANTIA gleich den Weg in die Heimat antritt. Noch sind Crewplätze auf den meisten Törns frei.

Autor: Markus Schwarz